Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I

Wer arbeitslos wird, hat Anspruch auf Arbeitslosengeld. Voraussetzung ist, dass die betroffene Person in den letzten zwei Jahren vor Eintreten des Versicherungsfalls mindestens 12 Monate lang in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis (Anwartschaftszeit) stand und sich außerdem bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet hat. Je nachdem, wie lange die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bestand, ergeben sich unterscheidliche Zeiten der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld.

Bezugsdauer abhängig von Länge des Beschäftigungsverhältnisses

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann der Arbeitslose für eine bestimmte Zeit Arbeitslosengeld I beziehen, die sich nach der Dauer des versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses richtet. Die Mindestlänge des Beschäftigungsverhältnisses:

Bei Erfüllung der Regelanwartschaftszeit

Dauer der Beschäftigung Anspruch auf Arbeitslosengeld
12 Monate 6 Monate (180 Tage)
16 Monate 8 Monate (240 Tage)
20 Monate 10 Monate (300 Tage)
24 Monate 12 Monate (360 Tage)
30 Monate

  • nach Vollendung des 50. Lebensjahres
15 Monate (450 Tage)
36 Monate

  • nach Vollendung des 55. Lebensjahres
18 Monate (540 Tage)
48 Monate

  • nach Vollendung des 58. Lebensjahres
24 Monate (720 Tage)

Bei Erfüllung der “kurzen” Anwartschaftszeit

Dauer der Beschäftigung Anspruch auf Arbeitslosengeld
6 Monate 3 Monate (90 Tage)
8 Monate 4 Monate (120 Tage)
10 Monate 5 Monate (150 Tage)

Die Bezugsdauer kann jedoch von Ruhezeiten und Sperrzeiten negativ beeinflusst werden. Ruhezeiten treten beispielsweise ein, wenn Kranken- oder Mutterschaftsgeld bezogen wird. Sperrzeiten werden verhängt, wenn der Leistungsempfänger sich „versicherungswidrig“ verhält, ohne dafür einen wichtigen Grund zu haben.

Verlängern kann sich die Bezugsdauer, wenn der Leistungsempfänger innerhalb der letzten vier Jahre schon einmal einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben, die Anspruchsdauer aber nicht voll ausgeschöpft hat. Die aktuelle Dauer erhöht sich dann um den Rest des vorherigen Anspruchs. Wer also etwa arbeitslos war und einen Anspruch auf 12 Monate Arbeitslosengeld hatte, aber schon nach vier Monaten eine neue Anstellung gefunden hat, kann die „unverbrauchten“ acht Monate an eine in den nächsten vier Jahren entstehenden Anspruch anhängen, wenn er wieder arbeitslos werden sollte.

Bezug von Arbeitslosengeld bei Weiterbildungsmaßnahmen

Wenn ein Leistungsempfänger an einer Weiterbildungsmaßnahme teilnimmt, die für seine berufliche Eingliederung wichtig ist, werden die Kosten in der Regel von der Agentur für Arbeit im Rahmen eines Bildungsgutscheins übernommen. Während dieser Zeit wird auch das Arbeitslosengeld weiter bezahlt. Die Bezugsdauer mindert sich jedoch um jeweils einen Tag pro zwei Tage Maßnahme. Allerdings darf dabei der Mindestanspruch von weniger als 30 Tagen nicht unterschritten werden. Das ist besonders wichtig bei längeren Maßnahmen oder Maßnahmen, die gegen Ende der Bezugsdauer durchgeführt werden. Nach der Maßnahme soll dem Arbeitslosen noch mindestens ein Monat zur Stellensuche verbleiben.

Lehrgangs- und andere Kosten

Normalerweise übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten, die Fahrtkosten, eine eventuell notwendige auswärtige Unterbringung und, falls nötig, die Kosten für Kinderbetreuung. Das Arbeitslosengeld wird unverändert weiter gezahlt, falls die Bedürftigkeit weiterhin besteht.

Für die Fälle, in denen ein Förderung der Kosten nicht möglich ist, kann der Anspruch auf Arbeitslosengeld trotzdem weiter bestehen, wenn die Agentur für Arbeit der Teilnahme zugestimmt hat und jederzeit die Möglichkeit zum Abbruch der Maßnahme besteht, sobald eine Chance auf eine neue Anstellung gegeben ist. Auch während der Weiterbildungsmaßnahme ist der Leistungsempfänger, falls Arbeitslosengeld gezahlt wird, sozialversichert.

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