Zeugnissprache im Arbeitszeugnis - Formulierungen

Die Zeugnissprache arbeitet mit immer wiederkehrenden Formulierungen, die sich in ein abgestuftes Bewertungssystem einordnen lassen. Dabei kann unterschieden werden zwischen gängigen Bewertungsformulierungen für Arbeitsleistungen und für sonstiges Verhalten des Arbeitnehmers. Generell gilt dabei, dass sich die Benotungen in Arbeitszeugnissen mit den üblichen Bewertungen des Schulnotensystems von Sehr Gut bis Mangelhaft decken.
In den unten aufgeführten Texten geben wir Einblicke in die Zeugnissprache im Arbeitszeugnis und erläutern, welche Bedeutung welche Formulierungen tatsächlich haben.

Bewertungen der Arbeitsleistungen

Bei der Beurteilung der Arbeitsleistungen greift die Zeugnissprache maßgeblich auf das Wort Zufriedenheit zurück. Die üblicherweise in Zeugnissen verwendeten Kombinationen dieses Wortes mit bestimmten Zusätzen machen für den Leser erkennbar, wie der Arbeitgeber die Arbeitsleistungen des Beschäftigten insgesamt einordnet.

Diese typischen Formulierungen im Arbeitszeugnis seien anhand folgender Beispiele verdeutlicht:

Benotung Formulierung im Arbeitszeugnis zur Beurteilung der Arbeitsleistungen
Sehr gut Herr X hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt.
gut Herr X hat die im übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt.
befriedigend Herr X hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt.
ausreichend Herr X hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt.
mangelhaft Herr X hat die ihm übertragenen Aufgaben im Allgemeinen (oder: im Großen und Ganzen oder alles in allem) zu unserer Zufriedenheit erfüllt.

Insbesondere für eine mangelhafte Beurteilung im Leistungsbereich des Arbeitnehmers finden in einigen Zeugnissen auch folgende gängige Wendungen Verwendung.

  • Herr X zeigte Interesse und Verständnis für seine Arbeit
  • Herr X war bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.
  • Herr X hat die ich übertragenen Aufgaben mit Fleiß erledigt.

Bewertungen des Verhaltens

Auch in diesem Bereich gibt es Schlüsselformulierungen in Arbeitszeugnissen, die immer wieder Verwendung finden und eine Zuordnung zu den Noten Sehr Gut bis Mangelhaft zulassen. Dabei wird unterschieden zwischen dem Sozialverhalten des Arbeitnehmers und seinem Führungsverhalten im Besonderen.

Benotung Formulierung im Arbeitszeugnis zur Beurteilung des Verhaltens
Sehr gut Herr X war wegen seines stets freundlichen Wesens und seiner ständigen Bereitschaft zur Zusammenarbeit überall besonders beliebt. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war in jeder Hinsicht vorbildlich.
gut Herr X war wegen seines freundlichen Wesens und seiner Bereitschaft zur Zusammenarbeit überall beliebt. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war stets vorbildlich.
befriedigend Herr X war wegen seines freundlichen Wesens und seiner Bereitschaft zur Zusammenarbeit allgemein beliebt. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei.
ausreichend Das Verhalten von Herrn X gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war nicht zu beanstanden.
mangelhaft Das Verhalten von Herrn X gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war in der Regel nicht zu beanstanden.

Weitere Standardformulierungen

Neben den vorgestellten Beurteilungen finden sich in Arbeitszeugnissen gelegentlich einige weitere Formulierungen, über deren Aussagegehalt Verfasser und Leser sich im Klaren sind.

  • Herr X zeigte sich bemüht. Regelmäßig bringt der Arbeitgeber damit auf deutliche Weise seine Unzufriedenheit mit der aus seiner Sicht mangelhaften Arbeitsleistung zum Ausdruck.
  • Herr X zeigte reges Interesse an seiner Arbeit. Auch diese Formulierung lässt erkennen, dass der Arbeitnehmer nach Einschätzung des Verfassers hinter dessen Erwartungen zurück geblieben ist und keinen Erfolg hatte.
  • Herr X war fleißig. Diese Zeugniswendung hat in der Regel den gleichen Aussagewert und deutet durch bewusste Auslassung weiterer Attribute an, dass der Arbeitnehmer bis auf Fleiß nichts gezeigt hat, was der positiven Erwähnung wert wäre.

Einzelne Bewertungsbereiche

Abgesehen von den allgemeinen Beurteilungen im Leistungs- und Verhaltensbereich, hat sich für bestimmte bewertungsrelevante Teilbereiche des Arbeitsverhältnisses eine Vielzahl von weiteren Standardformulierungen in der Zeugnissprache etabliert.

Art und Weise der Aufgabenerledigung

Benotung Formulierung im Arbeitszeugnis zur Beurteilung der Aufgabenerledigung
Sehr gut Herr X führte die ihm übertragenen Aufgaben stets äußerst selbständig und gewissenhaft aus.
gut Herr X führte die ihm übertragenen Aufgaben stets selbständig und gewissenhaft aus.
befriedigend Herr X führte die ihm übertragenen Aufgaben selbständig und gewissenhaft aus.
ausreichend Die ihm übertragenen Aufgaben wurden von Herrn X mit Sorgfalt ausgeführt.
mangelhaft Die ihm übertragenen Aufgaben wurden von Herrn X im Allgemeinen mit Sorgfalt ausgeführt.

Arbeits- und Leistungsbereitschaft

Benotung Formulierung im Arbeitszeugnis zur Beurteilung deder Arbeits- und Leistungsbereitschaft
Sehr gut Herr X zeigte stets ein sehr hohes Maß an Leistungsbereitschaft.
gut Herr X zeigt stets ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft.
befriedigend Herr X zeigte Einsatzbereitschaft.
ausreichend Herr X zeigte auch Einsatzbereitschaft.

Die Note Mangelhaft findet bei der Beurteilung dieses zentralen Bewertungsfeldes keine Berücksichtigung. Dies folgt zugunsten des Arbeitnehmers aus dem Zeugnisgrundsatz des Wohlwollens. Fehlt hierzu im Arbeitszeugnis eine entsprechende Bewertung, wird der Leser daraus allerdings seine Schlüsse ziehen.

Berufliches Fachwissen

Benotung Formulierung im Arbeitszeugnis zur Beurteilung des beruflichen Fachwissens
Sehr gut Herr X verfügt über ein besonderes Fachwissen, das es ihm ermöglichte, stets weit überdurchschnittliche Arbeitsergebnisse zu erzielen.
gut Herr X verfügt über ein gutes Fachwissen, das es ihm ermöglichte, stets überdurchschnittliche Arbeitsergebnisse zu erzielen.
befriedigend Herr X verfügt über ein solides berufliches Fachwissen.
ausreichend Herr X verfügt über die notwendigen beruflichen Fachkenntnisse.
mangelhaft Herr X zeigte die notwendigen beruflichen Fachkenntnisse, die er Erfolg versprechend einsetzte.

Geistige Fähigkeiten und Auffassungsgabe

Benotung Formulierung im Arbeitszeugnis zur Beurteilung deder geistigen Fähigkeiten und Auffassungsgabe
Sehr gut Herr X verfügt über eine ausgezeichnete Auffassungsgabe, die ihn in ganz besonderer Weise für die ausgeübte Tätigkeit befähigt hat.
gut Herr X verfügt über eine gute Auffassungsgabe, die er bei der Ausübung seiner Tätigkeit mit großem Erfolg eingesetzt hat.
befriedigend Herr X verfügt über eine in jeder Hinsicht den Anforderungen gerecht werdende Auffassungsgabe.
ausreichend Herr X verfügt über eine den Anforderungen gerecht werdende Auffassungsgabe.
mangelhaft Herr X verfügt im Allgemeinen über eine den Anforderungen gerecht werdende Auffassungsgabe.

Wohlwollendes Zeugnis und Verbot der Aufnahme bestimmter Tatsachen

Wie der Gang der Darstellung gezeigt hat, ist der Zeugnisverfasser kraft des Grundsatzes des Wohlwollens verpflichtet, dem Arbeitnehmer sein weiteres Fortkommen nicht unnötig zu erschweren. Daher besteht auch die Pflicht, bestimmte Tatsachen und Umstände gänzlich aus dem Zeugnis auszuklammern. Verstößt der Arbeitgeber gegen diese Verpflichtung, steht dem betroffenen Arbeitnehmer ein Zeugnisberichtigungsanspruch zu, den er notfalls auch vor dem Arbeitsgericht durchsetzen kann.

Bei den besonderen Umständen, die keine Aufnahme in das Zeugnis finden dürfen, ist zu unterscheiden zwischen Tatsachen aus dem privaten Bereich des Arbeitnehmers und solchen, die seinem Arbeitsverhältnis zuzuordnen sind.

Persönliche Umstände

Nicht erwähnt werden dürfen im Zeugnis etwa nachfolgende rein persönliche Umstände und Tatsachen des Arbeitnehmers:

  • Bemerkungen zu den finanziellen Verhältnissen des Arbeitnehmers
  • Erwähnung von Vorstrafen oder Alkoholproblemen
  • Erwähnung von Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Erwähnung eines Führerscheinverlusts
  • Bemerkungen zu familiären Umständen wie etwa einer Scheidung
  • Erwähnung einer Behinderung

Das Arbeitsverhältnis betreffende Umstände

Tatsachen, die im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis stehen und nicht in das Zeugnis aufgenommen werden dürfen, sind beispielsweise:

  • Teilnahme an einem Streik
  • Tätigkeit für einen Betriebsrat
  • krankheitsbedingte Fehlzeiten
  • nur der Verdacht einer Straftat am Arbeitsplatz
  • Widerruf einer Prokura
  • Erwähnung von Nebenbeschäftigungen
  • Bemerkungen zur Höhe des Verdienstes
  • Erwähnung von Kündigungsgründen
  • Erwähnung von Verhalten, das zu einer Abmahnung geführt hat

Widerspruchsfreiheit

Schließlich darf das Arbeitzeugnis sich nicht in Widersprüche verwickeln. Das bedeutet, dass die gefundenen Beurteilungen für den Arbeitnehmer auch in Einklang stehen müssen zu dem Inhalt und Zeugnistext, der Grundlage für diese Bewertungen ist. Stuft der Arbeitgeber das Sozialverhalten des Beschäftigten mit Gut ein, muss dies auch aus den hierzu im Zeugnis getroffenen Aussagen deutlich ableitbar sein. Ansonsten würde das Arbeitszeugnis an einem inhaltlichen Widerspruch leiden, der mit dem Zeugnisberichtigungsanspruch angegriffen werden könnte.

Autor: Rechtsanwalt Kristian Hüttemann

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